Gelebte SolidAHRität
Die Ahr-Region freut sich über Gäste
Wer sich heute fragt, ob er als Urlaubsgast im Ahrtal überhaupt willkommen ist, dem antworten die Ahrtaler ganz deutlich mit dem Slogan „JA! We AHR open!“ Und auch wenn das vielleicht noch nicht wieder für alle touristischen Betriebe gelten mag, so haben doch zahlreiche Hotels und Pensionen wieder geöffnet und freuen sich über jeden Gast, der ins Ahrtal kommt.
Etwas mehr als zwei Jahre ist es nun her, dass das Ahrtal geflutet und in großen Teil zerstört wurde. Eine große Solidarität weit über die Landesgrenzen hinweg brachte den Betroffenen Unterstützung. Dennoch zieht sich der Wiederaufbau insbesondere bei der zerstörten Infrastruktur bis heute hin. Viele Wanderwege und touristische Attraktionen sind jedoch wieder begehbar und erlebbar. Kurz vor dem zweiten Jahrestag der Ahrflut hat in diesem Jahr der Verband „Ahrtal Tourismus“ das „Nachhaltige Tourismuskonzept Ahrtal 2025“ der Öffentlichkeit vorgestellt. In einzelnen Themenwerkstätten haben Vertreter aus allen Ahrtal-Kommunen, aus der Hotellerie, Gastronomie oder Weinbau gemeinsam Maßnahmen und Projekte entwickelt. Im Konzept finden sich Ideen wieder, die in den vergangenen Monaten in einzelnen Themenwerkstätten erarbeitet wurden und sich nach Empfehlung eines Gutachters am besten dazu eignen würden, die erarbeiteten Ziele der Tourismusstrategie zu erreichen.
Schlagwörter mit Leben füllen
Als übergeordnetes Ziel wurde bereits im vergangenen Jahr durch Befragung von Gästen und Einwohnern sowie durch Workshops in allen Ahrtal-Kommunen der folgende Leitgedanke zusammengefasst: Das Ahrtal soll DIE nachhaltige und innovative Natur- und Weinregion in Deutschland werden. Darüber hinaus soll das Ahrtal für ein starkes „Wir Gefühl“, für Premium-Qualität und beste Gastlichkeit sowie für einen perfekten Lebensraum für alle Generationen und zufriedene Fachkräfte stehen. In den Zielgruppen finden sich Wein- und Naturgenießer ab 50 Jahren und aktive Naturgenießer, aber auch eine jüngere Zielgruppe ab ca. 30 Jahren, die genussorientierte Entschleunigung sucht. „Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels und seinen Auswirkungen hat das Thema Nachhaltigkeit im Ahrtal noch mehr als in anderen Destinationen an Bedeutung gewonnen“, erklärt David Bongart, Projektleiter Tourismuskonzept beim Ahrtal-Tourismus. Das Ahrtal stelle sich der Aufgabe, konkrete Nachhaltigkeitsprojekte auf betrieblicher, kommunaler und regionaler Ebene umzusetzen. „Im Tourismus reicht Wiederaufbau langfristig nicht aus. Das Ahrtal muss sich mit Innovation neu positionieren. Das geht nur mit neuen Angeboten und Maßnahmen!“, ergänzt Geschäftsführer Christian Senk.
Schwerpunkt Infrastruktur
Ein großer Teil der Projekte und Maßnahmen betrifft den Bereich Infrastruktur. Während sich hier zum einen naheliegende Maßnahmen wie die Aufwertung der Wanderwege, die Etablierung des Ahr-Radweges und die Ausweisung von Cross-Country-Strecken wiederfinden, gibt es für den Bereich Freizeit-Infrastruktur innovative Leitideen. Ein Grundgedanke ist, Bergerlebniswelten mit neuen Natur-Erlebnissen von überregionaler Strahlkraft zu schaffen. So wäre eine Hängebrückenverbindung zwischen dem Rotweinwanderweg und dem Ahr-Steig wünschenswert, beispielsweise im Bereich der Bunten Kuh in Walporzheim oder der Saffenburg in Mayschoß. „Dies wäre nicht nur eine attraktive touristische Bereicherung, sondern hätte auch den Vorteil, dass sich beide Top-Wanderwege verbinden lassen. Im Rahmen der Projektarbeit ist es gelungen, erste Visualisierungen zu erstellen, so dass nun schon weitere Schritte denkbar wären“, erläutert Bongart weiter. Auch die Idee zum Skywalk am Rotweinwanderweg in Ahrweiler sollte nach Empfehlung des Gutachters wieder aufgegriffen werden.
Wein, Wasser, Gesundheit & Kultur
Für den Bereich Gesundheit stehen die Ahr-Thermen als Leitprojekt sowie die Attraktivierung des zentralen Kurbereichs in Bad Neuenahr ganz oben auf der Liste. Gleichzeitig wäre vorstellbar, dass die Themen Wasser und Gesundheit zukünftig auch dezentral gespielt werden. Der Ahrwein als eines der Markenzeichen könnte sich beispielsweise in Ahrwein-Museumsstationen in den einzelnen Weinorten und Betrieben sowie in einer Gebiets-Vinothek wiederfinden. Unter dem Stichwort „Kultur, Museen“ ist eine zentrale Idee das „ICCA – International Crisis Center Ahr“ als Wissenschafts- und Besucherzentrum. Das ICCA soll mit Laboren, Vortrags- und Tagungsräumen der Forschung und Lehre Raum bieten und professionelle Plattform der Krisenwissenschaft und Katastrophendienste sein. Daneben soll es mit wechselnden und Dauerausstellungen als multimediales und interaktives Besucherzentrum zum Thema Krise dienen. Denkbar wäre hier die Verbindung zur weiteren Idee eines „Flutmuseums“. Eine Machbarkeitsstudie konnte der Ahrtal-Tourismus Mitte Juni finalisieren. „Nun gilt es in weiteren Schritten, die Finanzierung zu sichern, um den genauen Standort, die konkreten Inhalte und die Betreiberstruktur für eine solche Institution auf den Weg zu bringen“, erklärt David Bongart.Auch wenn einige kleinere Projekte schon jetzt mit vorhandenen Mitteln umgesetzt werden könnten, bestehe die Hauptaufgabe nun darin, Finanzierungsmöglichkeiten für die weiterführenden Maßnahmen zu erörtern. Steigende Touristenzahlen würden dabei natürlich auch helfen ... Der Jahresbeginn 2023 macht dafür Mut. Das Innenministerium in Mainz bilanziert, man habe die Zahl der Gäste im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr weit mehr als verdoppeln können. C.M.
Rückblick
Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 hat nicht nur 135 Menschenleben gekostet, sondern auch einen ganzen Wirtschaftszweig hart getroffen: den Tourismus. Von den Folgen der Flut waren 70 Prozent der Hotels, 80 Prozent der Gastronomiebetriebe, 11 von 13 Campingplätzen und sogar 90 Prozent der Weinbaubetriebe betroffen. Hinzu kamen
zerstörte Straßen, Brücken, Rad- und Wanderwege. Der bisherige Wiederaufbau gestaltet sich vielerorts mühsam und kostspielig. Zahlreiche Restaurants, Hotels und Pensionen an der Ahr haben aber mittlerweile wieder geöffnet und sind jetzt mehr denn je auf die Rückkehr der Touristen angewiesen. www.ahrtal.de

