Die Limes-Region
Auf römischen Spuren
Das Welterbe-Komitee der UNESCO hat vor 20 Jahren die Aufnahme des Obergermanisch-Raetischen Limes als Teil des neuen Welterbes „Grenzen des römischen Reiches“ in die Liste der Welterbestätten beschlossen. Zusammen mit dem Hadrianswall und dem Antoninuswall in Großbritannien und Nordirland bildet der Obergermanisch-Raetische Limes somit eine transnationale Welterbestätte von Weltrang.
Die Region rund um Bad Hönningen und Rheinbrohl hat mit der „Limes-Region“ eine Art Dachmarke gesetzt, die nicht nur Fans der römischen Vergangenheit begeistert. An zahlreichen Orten und auf gut erschlossenen Wegen kommen seitdem Wanderfreunde und Radfahrer, aber auch Geschichtsinteressierte voll auf ihre Kosten.
Startpunkt Rheinbrohl
Genau dort, wo die beiden UNESCO-Welterbe-Stätten Obergermanisch-Raetischer Limes und Niedergermanischer Limes aufeinander trafen, begeistert heute die Ende 2008 eröffnete RömerWelt am sogenannten „Caput Limitis“ große und kleine Besucher mit ihrer interaktiven Ausstellung zum ehemaligen Leben am römischen Grenzwall. Die Trägerschaft liegt bei der Stiftung „Caput Limitis“. Die inhaltliche Konzeption des Museums liegt bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Auf einer Fläche von über 6.000 Quadratmetern wird dort den Besuchern die Zeit des römischen Limes getreu dem Motto „Erlebnis mit allen Sinnen“ näher gebracht. Mitmachen und Ausprobieren sind hier in zahlreichen Bereichen ganz ausdrücklich erwünscht. Multimediale Darstellungen und interaktive Stationen laden Besucher in drei Themenbereichen dazu ein, mehr über Alltag der stationierten römischen Truppen am Limes, über Handwerk und Handel und über Einblicke in das Leben der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten des Grenzwalls zu erfahren.
Im Außengelände sind verschiedene römische Rekonstruktionen, darunter eine Soldatenunterkunft, Steinmetz- und Schmiede-Werkstatt, Kräutergarten und römische Backöfen sowie eine römische Glashütte zu bestaunen.
Lebendiges Erbe in der Region
Auch heute noch kann man in der Verbandsgemeinde Bad Hönningen den historischen Verlauf des Limes in der Landschaft erkennen. Ehemalige Standorte der Wachtürme sind wieder gut erkenntlich gemacht und mit Schildern gekennzeichnet.
Rheinbrohl kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, die es dem römischen Historiker Tacitus zu verdanken hat, der den sogenannten „Caput Limitis“, den Beginn des Obergermanisch-Raetischen Limes auf der rechten Rheinseite verortete und dazu beitrug, dass sich Rheinbrohl voll Stolz als das „Weindorf am Römerwall“ bezeichnet.
Zu Fuß entlang der Grenze
Der Deutsche Limes-Wanderweg erschließt dem Wanderer als Netz von Fernwanderwegen den historischen Verlauf des UNESCO-Welterbes Obergermanisch-Raetischer Limes auf seiner vollen Länge. Startpunkt der 734 Kilometer langen Strecke ist in Rheinbrohl, von wo aus der Weg bis an die Donau durch die vier Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern führt. Der Weg führt an zahlreichen Nachbauten und Rekonstruktionen von Wachtürmen mit Infotafeln entlang.
Von Arienheller aus passieren Wanderer die Limeswaldschule und das Freizeitgelände Jagdhaus Wilhelmsruh, bevor sie das ehemalige Römerkastell Rheinbrohl erreichen. Vor über 120 Jahren wiederentdeckt, handelte es sich bei ihm um ein quadratisches Steinkastell mit rund 26 Metern Seitenlänge.
Die mit ihrem einzigen Tor nach Süden zum Rhein hin ausgerichtete Anlage war von einer 90 Zentimeter starken Wehrmauer umgeben, vor der sich als Annäherungshindernis zwei jeweils etwa sechs Meter breite und zwei Meter tiefe Spitzgräben befanden. Von der Anlage ist heute leider nichts mehr erhalten, da das Gelände durch neuzeitlichen Kiesabbau völlig zerstört wurde. Aber auch die Rekonstruktionen beflügeln die Fantasie und lassen das römische Erbe in der Region vor dem geistigen Auge auferstehen.
Noch nicht nur direkt am Rhein, sondern auch im Herzen des Kannenbäckerlandes hinterließen die Römer ihre Limes-Spuren. Auch im „Limesdorf“ Hillscheid in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen lassen sich bis heute römische Relikte bestaunen.
Bei dem hier ausgegrabenen Kleinkastell von Hillscheid handelte es sich um eine Doppelanlage, die aus einem größeren Außen- und einem kleineren Innenkastell bestand. Jeweils in den ungeraden Jahren am ersten Sonntag im September findet am rekonstruierten Turmgelände in Hillscheid ein großes Limesfest statt. C.M.
www.roemer-welt.de
www.liz-rlp.de

