Mythen und Märchen

Der südliche Westerwald und seine abwechslungsreiche und naturnahe Mittelgebirgslandschaft

Der südliche Westerwald rund um Montabaur ist mit seinen zahlreichen Unternehmen und mit einem der modernsten Outlet-Center Deutschlands schon seit längerem ein Anziehungspunkt für Shopping-Interessierte aus den angrenzenden Ballungsräumen. Was die Menschen jedoch schon viel länger in ihren Bann zieht, ist die abwechslungsreiche und naturnahe Mittelgebirgslandschaft mit ihren idyllischen Bachtälern und reizvollen Aussichten.

Bekannt ist der Westerwald nicht nur für seine Keramik und den über seinen Wipfeln wehenden Wind, sondern vor allem für seine ursprüngliche Natur und die historisch gewachsenen Orte, die Besucher zum Entdecken und Genießen einladen und das Potenzial haben, den Alltag für ein paar Stunden oder gar Tage hinter sich zu lassen. Besonders die Themenwege im südlichen Westerwald rund um Montabaur eröffnen dabei spannende Einblicke mitten in der Natur und laden zum Entschleunigen ein.
Wer den Körper in Schwung bringen, die Seele baumeln lassen und den Geist mit neuen Eindrücken füttern möchte, sollte sich auf den Weg machen – genauer gesagt: auf die Themenwege im südlichen Westerwald. Drei Wandertouren eröffnen Einblicke in ganz unterschiedliche Welten, die sich zu einem spannenden Gesamtbild der Region fügen.

Steinreicher Westerwald

Neben dem Basalt ist es der Ton, dem ein eigener Themenweg gewidmet ist, und der von der einstigen Bedeutung des Rohstoffs für die Region erzählt. Er umfasst zwei Rundtouren von jeweils zwölf Kilometern. Die erste führt um Ruppach-Goldhausen, die zweite berührt Boden, Moschheim und Niederahr. Pro Strecke sollten jeweils 3,5 Stunden eingeplant werden. Es könnte aber auch durchaus länger dauern, denn die „Gefahr“ besteht, staunend zu verweilen bei den riesigen Tongruben oder sich fest zu lesen an den Tafeln, die über die harte Arbeit in den Schächten, die berühmte Westerwälder Salzglasurkeramik und das benachbarte Kannenbäckerland informieren, aber auch über die Rekultivierung und die Anlage neuer Biotope.

Der Hirtenhannes und ein schwarzer Sarg am Zingelsjoch

Bei den „Montabäurer Mären“ wird es für den Wanderer auch mal gruselig. Aber keine Bange. Der Themenweg im sagenhaften Westerwald – 22 Kilometer zwischen Montabaur und Nentershausen – lässt sich gefahrlos beschreiten, auch wenn das so genannte Murkelmännchen ganz schön garstig sein kann. Infotafeln und Sagenfiguren aus Holz erzählen an ausgewählten Schauplätzen kurzweilig von edlen Junkern und kühnen Schatzgräbern. Auf den Höhen des malerischen Gelbachtals mit Blick auf Schloss Montabaur erstreckt sich der Skulpturenweg, der einem einzigartigen Projekt zu verdanken ist. Auf Initiative der Künstlerin Simone Carole Levy, die im Westerwald lebt, trafen sich zwischen 2009 und 2014 Holzbildhauer aus vielen Ländern zu vier Symposien. Heute säumen 42 Skulpturen den 9,5 beziehungs- weise 6,5 Kilometer langen Wanderpfad, geschnitzt aus dem Holz des heimischen Waldes. Sie dürfen bewundert, angefasst und zur Rast in Besitz genommen werden.

Abstecher Montabaur

Mit seiner charakteristischen Silhouette und dem auffälligen Gelb wurde Schloss Montabaur 1687 bis 1709 in seiner jetzigen Form an der Stelle der ehemaligen Burg Humbach errichtet. Seit 1969 ist das Schloss Eigentum der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG), die hier ein Tagungshotel, ein Kongresszentrum und die ADG Business School aufgebaut hat. Wer nach einer kurzen Besichtigung noch Zeit, Lust und Puste hat, dem sei ein Abstecher zum Wolfsturm empfohlen, auch wenn der Weg im letzten Abschnitt steil bergan geht. Der leider nicht zu besichtigende Turm wurde wahrscheinlich Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut und ist der größte Turm der alten Stadtbefestigung. Er ist 20 Meter hoch, in zwei Stockwerke unterteilt und diente über viele Jahre als Gefängnis. Um 1630 wurden hier Männer und Frauen inhaftiert und Hexenprozesse abgehalten. Auf dem Rückweg in die Stadt können noch der Burgunderplatz und die alte Stadtmauer besichtigt werden. C.M.

 www.suedlicher-westerwald.de

 

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