Vor etwas mehr als 20 Jahren entwickelten zwei Herren die Idee einer Initiative, die die Gemeinsamkeiten der Region
an Rhein, Mosel, Lahn, Ahr und Nahe, an Hunsrück, Eifel, Westerwald und Taunus herausarbeiten und fördern wollte: der damalige Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord Hans- Dieter Gassen und der Historiker Prof. Dr. Franz-Josef Heyen († 2012). Die beiden gewannen den früheren DEBEKA-Vorstand Peter Greisler, um als Vorsitzender eines zu gründenden Vereins das Gesicht der Initiative zu werden. Gassen und Greisler prägten viele Jahre die Vorstandsarbeit der Initiative und sind heute noch aktiv.
schauRhein: Was bewundern Sie am meisten an der Region Koblenz-Mittelrhein?
Peter Greisler: Die Vielfalt. Mein Motto als Vorsitzender der Initiative war immer: Lasst viele bunte Blumen blühen. Ich sah die Aufgabe der Initiative darin, diese alle zu einem schönen Strauß zu binden.
Hans-Dieter Gassen: Da kann ich Peter Greisler nur zustimmen. Der Reiz liegt in der Vielfalt. Mit dem Oberzentrum Koblenz haben wir einen attraktiven wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Mittelpunkt, dazu kommen viele starke Mittelzentren und sehr viele reiz- volle Dörfer. Das ist, was die Lebensqualität betrifft, von großem Wert. Was die Zusammenarbeit betrifft, ist es aber durchaus komplizierter. Deshalb kann man nach 20 Jahren als Fazit feststellen: Die Initiative hat Vieles bewegt und hat auch noch vor, viel zu bewegen. Wenn ich den 20 Jahren eine Schulnote geben müsste, würde ich sagen: befriedigend. Aber der Weg ist das Ziel.
schauRhein: Wann kamen Sie erstmals auf die Idee, eine solche Initiative zu gründen?
Hans-Dieter Gassen: Diese Idee habe ich schon lange mit mir rumgetragen. Bevor ich zum Präsidenten der SGD Nord berufen wurde, war ich stellvertretender Landrat in Mayen- Koblenz. Angesichts der uns umgebenden starken Regionen war meine Idee: Wir müssen mit Kräften, die hier groß geworden sind und denen die Region am Herzen liegt, etwas bewegen. Auf Ebene der Planungsgemeinschaften und bei der interkommunalen Zusammenarbeit gilt oft das Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners. Um etwas in größerem Maßstab zu bewegen, ist also Eigeninitiative gefragt.
Peter Greisler: Europa wird getragen vom Gedanken des „Europas der Regionen“ ... Doch was bedeutet das für uns? Sind wir eine „Region“? Saar-Lor-Lox, Rhein-Ruhr, Rhein- Main – wir sind umgeben von Großregionen, die schon aktiv tätig waren und sind. Unser Raum gehört nirgends wirklich dazu. Deshalb wollten wir unsere eigene Identität stärken.
Hans-Dieter Gassen: Bis 2000 gab es den Regierungsbezirk Koblenz, der vorher bereits 170 Jahre lang existierte. Das war eine Verwaltungseinheit, aber nie eine „Identitätseinheit“. Das wollten wir ein Stück weit überwinden. Als ich dann 2000 in das Amt des Präsidenten der SGD Nord als Nachfolgebehörde des früheren Regierungsbezirks berufen wurde, hatte ich schließlich auch die Position, etwas zu gestalten. Allerdings sollte das nie ein parteipolitischer Ansatz sein, sondern einer, der alle Menschen mitnimmt, die das gleiche Anliegen haben.
schauRhein: Hat es Sie viel Überzeugungsarbeit gekostet, Herrn Greisler als ersten Vorsitzenden zu gewinnen?
Hans-Dieter Gassen: Es war von Anfang an mein Ansinnen, eine solche Initiative parteiunabhängig aufzustellen. Peter Greisler hatte gerade vom Amt des Vorstandsvorsitzenden der DEBEKA Abschied genommen, er ist in der Region und ihrer Wirtschaft bestens vernetzt und schnell war klar: Er ist die richtige Person. Peter Greisler: Ich bin ein Kind der Region, und Herr Gassen und Dr. Heyen mussten mich gar nicht lange „bearbeiten“, bis ich überzeugt war und zugestimmt habe, den Vorsitz zu übernehmen.
schauRhein: Mit der Gründung der Initiative haben Sie Hoffnungen und Wünsche verbunden. Welche haben sich erfüllt?
Peter Greisler: Zunächst ging es ja darum, eine Struktur aufzubauen. Wir haben eine Geschäftsführung eingesetzt, Arbeitskreise gebildet und mit den Arbeitskreisen haben wir Menschen gewinnen können. Denn wenn sich nur der Vorstand zusammensetzt und sagt: schöne Region – das bringt nichts. Die Initiative lebt vom Mitmachen. Heute haben wir gut 200 Mitglieder!
Hans-Dieter Gassen: Im kulturellen Bereich haben wir geholfen, Festivals zu etablieren, die heute erfolgreich laufen und miteinander kooperieren, wir haben Tage der Region veranstaltet. Corona hat natürlich alle gemeinschaftlichen Entwicklungen behindert und Vieles war nicht mehr möglich ... Es ist uns aber gelungen, die Region in der Öffentlichkeit wahrnehmbar darzustellen.
schauRhein: Gibt es denn einen Erfolg, über den Sie sich am meisten freuen?
Hans-Dieter Gassen: Wir haben jede Menge Skepsis überwunden und viel zum Zusammenhalt der Region im Norden des Landes beigetragen. Und wir haben dazu beigetragen, dass immer weniger Menschen vom „nördlichen Rheinland-Pfalz“ reden – sondern von der Region Koblenz-Mittelrhein. Nach 20 Jahren liegt der Erfolg darin, dass es die Initiative als Kooperation in einer Region gibt, die historisch vielleicht unterschiedliche Wurzeln hat, aber doch so verschieden gar nicht ist. Wir haben das „schauRhein“ als Medium, das Gemeinsamkeiten hervorhebt, und den Veranstaltungsguide, der die kulturelle Vielfalt aufzeigt. Außerdem ist es gelungen, „jobzzone“ für die Region Koblenz-Mittelrhein zu etablieren, um den jungen Menschen zu zeigen, welche hervorragenden Ausbildungsmöglichkeiten sich in unseren vielfältigen Unternehmen bieten. Wir haben der Region mehr Zusammenhalt gegeben, als es ihn früher gegeben hat.
Peter Greisler: Ich bin immer weniger in die Vergangenheit orientiert als in die Zukunft. Schön wäre es, wenn wir weiter kommen auf dem Weg zur „Regiopolregion“. Wir haben da bundesweit Vorbilder, mit denen wir kooperieren – und da sind wir auf einem guten Weg.
schauRhein: Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Region und sind hier aufgewachsen. Gibt es etwas, das Sie durch Ihr Engagement in dieser Zeit dazugelernt haben?
Peter Greisler: Absolut! Ich persönlich habe unheimlich viel aus meiner Heimat kennengelernt. Mit Landräten und Bürgermeistern gesprochen, die mir über ihre Erfolge und Sorgen berichtet haben. Das hat mich bereichert. Das war ein Gewinn für mich.
Hans-Dieter Gassen: Was ich vor allem dazu gelernt habe, ist Geduld zu haben und immer auf dem Weg zu sein. Und ich habe den berühmten Spruch zu beherzigen gelernt: Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Man darf in seinen Bemühungen nicht nachlassen.
schauRhein: Sie kennen die Region sehr gut: Was ist Ihr liebster Platz in der Region?
Peter Greisler: Mein Heimatort ist Küttig – das ist für mich der Mittelpunkt der Welt, nicht nur der Region. Aber ich bin in all den Jahren so viel durch die Region gefahren, da entdeckst du immer neue Ecken deiner Heimat.
Hans-Dieter Gassen: Ich wohne in einem Ortsteil eines kleinen Dorfes am Rhein. Und wenn ich oben über die Höhen über dem Bopparder Hamm spaziere, mit Blick auf die Marksburg und den Rhein – das ist meine Heimat!

