Seit November 2024 ist der 27-Jährige im Amt und will das kleinste deutsche Anbaugebiet in ein neues Licht rücken. „Wein ist einfach ein faszinierendes Produkt – die Begeisterung dafür will ich weitergeben“, sagt Felix Grün. Er stammt zwar nicht aus einem Weinbaubetrieb, dafür aber aus einem anderem Bereich des rheinischen Trios – Weck, Wurst und Wein: aus einer Metzger-Familie. „Schon früh kam ich in Kontakt mit den Winzern hier, als wir sie mit Produkten für ihre Straußwirtschaften beliefert haben“, erinnert er sich.
Felix Grün studiert Kommunikationswissenschaften in Gießen und arbeitet nebenbei in der Social-Media-Abteilung des ZDF. „Die Kenntnisse, die dies mit sich bringt, sind meiner Meinung nach auch für die Arbeit einer Weinmajestät entscheidend“, ist er überzeugt. Die „Gesichter“ der Weinbauregion arbeiten schließlich an der Schnittstelle von Wein, Kommunikation und Marketing. „Die Weinmajestäten sind sozusagen gute Tools bei allen Marketing-Aktivitäten.“ Gemeinsam mit seinen Prinzessinnen Johanna Persch aus Oberwesel und Anna Weinand aus Bad Salzig gestaltet er nun aktiv mit.
Weinbau im Strukturwandel
Die Weinbranche am Mittelrhein ist von den gleichen strukturellen Problemen betroffen wie andernorts auch – mit dem Unterschied, dass die rund 80 Betriebe überwiegend Selbstvermarkter sind und über die Flasche verkaufen. Die niedrigen Fassweinpreise treffen sie nicht so gravie-rend wie ihre Kollegen beispielsweise aus Rheinhessen. Doch der rückläufige Weinkonsum, günstige Konkurrenz aus anderen Anbaugebieten der Welt und vor allem Nachwuchsprobleme machen auch den Winzern am Mittelrhein zu schaffen.
„Der Riesling ist hier die dominierende Rebsorte, dafür sind wir bekannt und seine Qualitäten müssen wir noch stärker ausspielen“, ist er überzeugt. Als erstes Weinanbaugebiet in Deutschland hatte der Mittelrhein das Amt der Weinmajestäten bereits vor zwei Jahren geschlechtsneutral ausgeschrieben … und mit Felix Kahl und Gero Schüler bereits zwei Weinprinzen im Dienst.
Der erste Weinkönig ist Felix Grün dann aber nicht geworden, sein Kollege Levin McKenzie aus Rheinhessen wurde zwei Monate früher gewählt und inthronisiert.großer Schritt, in die bisher immer weiblich geprägte Domäne der Weinköniginnen „einzubrechen“.
„Die Resonanz war bisher immer positiv“, betont Felix Grün. „Und ich werde die Menschen davon überzeugen“, dass ich das genauso gut kann wie meine Kolleginnen“, schmunzelt er.
Ein Spagat zwischen Tradition und Moderne – der aber nach Felix’ Ansicht gerechtfertigt ist, solange das Amt seine Strahlkraft behält. Deshalb ist er auch dafür, dass die Repräsentantinnen und Repräsentanten weiterhin als „Majestäten“ auftreten und nicht etwas profan als „Botschafter“.
Die Strahlkraft ist auch eine Frage der Insignien. Während die Weinköniginnen und Prinzessinnen ihre Kronen tragen und damit auf Veranstaltungen sofort ins Auge fallen und als Weinmajestäten identifiziert werden, treten die Herren derzeit mit Brosche oder Kette als wesentlich zurückhaltendere Erkennungszeichen auf. Gerade auf Großveranstaltungen kann das auch mal ein Nachteil sein, wenn es darum geht aufzufallen.
Verbundenheit mit dem Wein
Die Weine des Mittelrheins liegen ihm so am Herzen, dass Felix Grün plant, diesen auch weiterhin zu einem Teil seines Berufs zu machen: Gemeinsam mit seinem Mann hat er eine Immobilie im Zentrum von St. Goar erworben, in der nach dem Umbau und der Modernisierung des Gebäudes eine Vinothek entstehen soll. „Vor allem im Sommer, wenn hier die Besucher durch die Gassen strömen, kommen die bisherigen gastronomischen Angebote an ihre Grenzen. Die wollen wir ergänzen und bereichern“, so Felix Grün.
In einer Branche, die solchen Wert auf Tradition legt wie der Weinbau ist es einim Auftrag des Mittelrhein-Weins auf der Tagesordnung. Am Rheinland-Pfalz-Stand auf der Grünen Woche war er bereits repräsentativ tätig, genau wie auf der Wintertagung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum. Im Frühjahr und Sommer stehen nun eine Vielzahl von Festen und Veranstaltungen an, bei denen er und seine Kolleginnen die sympathischen Gesichter des Weins sind.
Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen aus den benachbarten Anbaugebieten läuft hervorragend. „Mit der Nahe habe wir einen regen Austausch, zum Beispiel haben wir gemeinsame Vorbereitungsseminare absolviert“, so Grün.
Das nächste große Ziel wird nun die Wahl zur deutschen Weinmajestät im September in Neustadt. Natürlich wird Felix auch dort antreten. Und vielleicht zum ersten Deutschen Weinkönig? Der Mittelrhein wäre nach über 70 Jahren mal wieder an der Reihe …

